Radreise entlang der Donau von Belgrad bis ans Schwarze Meer

Eva und Kai Wülbern (Kontakt: kai(at)wuelbern.de)

Meine Frau und ich sind im August 2013 mit dem Fahrrad entlang der Donau ans Schwarze Meer gefahren. Im Jahr zuvor hatten wir bereits die Strecke von Passau bis Belgrad absolviert und haben dabei Appetit auf mehr entwickelt. Weil die letzte Donauetappe durch Serbien, Bulgarien und Rumänien schon eine gewisse  Herausforderung darstellt und wir selbst auf unserer Tour sehr von den im Internet veröffentlichten Berichten anderer Reisender profitiert haben (insbesondere Peter Danninger, http://www.danninger.eu/DonauDelta), möchten auch wir an dieser Stelle über unsere Erfahrungen berichten.



Herausforderungen

Wer von Belgrad aus entlang der Donau ans Schwarze Meer radeln möchte, muss sich im Klaren darüber sein, dass diese Etappe nichts mehr mit der Romantik und dem Komfort des Donauradwegs zwischen Passau und Wien zu tun hat.  Die Donau sieht man meist nur aus der Ferne, und Radwege gibt es auf dieser Strecke nicht. Stattdessen bewegt man sich auf Nebenstrassen und desöfteren leider auch auf stark befahrenen Nationalstrassen, auf denen man von einem Schwerlaster nach dem anderen überholt wird. Gefährliche Momente bleiben da nicht aus. Die Regionen, die man durchfährt, sind strukturschwach und und besitzen mit wenigen Ausnahmen keinerlei touristische Infrastruktur. So kann der Abstand zwischen potentiellen Unterkünften von oft zweifelhafter Qualität durchaus einmal 100 km betragen. Auch Restaurants sind in manchen Regionen schwer zu finden. Diese Rahmenbedingungen zwingen einen manchmal zu sehr langen Tagesetappen, wobei viele Höhenmeter, Gegenwind und hohe Temperaturen einem dabei erheblich zusetzen können. Ach ja, und dann sind da noch die (halb-)wilden Hunde in Bulgarien und Rumänien, die einen mit Nachdruck aus ihrem Revier vertreiben wollen. Wir haben auf insgesamt knapp1.600 Kilometern viel erlebt und es hat wirklich Spaß gemacht. Aber man sollte wissen, was auf einen zukommt.

Körperliche Belastung: die Strecke stellt hohe Anforderungen an die Kondition. Man sollte schon ein paar hundert Kilometer in den Beinen haben, bevor man diese Reise antritt, denn man ist mehr als zwei Wochen täglich mindestens 8-9 Stunden unterwegs. Aufgeben ist auf dieser Strecke häufig keine Option. Meist gibt es keine Bahnverbindung, die man alternativ nutzen könnte. Und ein Stück mit dem Schiff zu fahren, scheidet auch aus. Wir haben zumindest nie eine Möglichkeit gesehen.

Stress: die psychische Belastung auf dieser Tour ist nicht zu unterschätzen. Die Unwägbarkeiten und Unsicherheiten, mit denen man tagtäglich konfrontiert wird, sind sicher nicht jedermanns Sache.

Hitze: der Sommer kann im Balkan unerträglich heiß werden. Im Juli  und besonders im August sind Temperaturen von 35 Grad und mehr keine Seltenheit. Wir haben im Vorjahr eine krasse Hitzewelle erwischt, und das geht dann ganz schön an die Substanz. Deshalb wird allgemein davon abgeraten, die Tour in diesen beiden Sommermonaten zu fahren. Weil es terminlich nicht anders möglich war, haben wir es trotzdem gewagt und hatten Glück: diesmal waren nur die ersten Tage sehr heiß, dann wurde es erträglicher. Dennoch gab es viele Tage, in denen wir bei jeder Gelegenheit in voller Montur in die Donau gesprungen sind, um uns Abkühlung zu verschaffen.

Gegenwind hatten wir bei unserer Planung nicht mit einkalkuliert. Tatsächlich hatten wir die ersten Tage sogar Rückenwind, aber dann drehte der Wind von West nach Ost und blies fortan gegen uns. Dabei sprechen wir nicht von einem lauen Lüftchen, sondern von Windgeschwindigkeiten, die einem wirklich schwer zu schaffen machen. Wir haben 2 Tage erlebt, die einem das Radfahren wirklich verleiden könnten.

Höhenmeter: für gewöhnlich wählt man Flussradwege, um Steigungen aus dem Weg zu gehen. Das klappt bei dieser Etappe des „Donauradweges“ nicht! Wir mussten 9.600 Höhenmeter absolvieren, mehr als das Doppelte als  bei einer einfachen Alpenüberquerung, die wir 2010 gemacht haben.



Sicherheit: Entgegen anders lautender Berichte haben wir uns auf dieser Reise abgesehen von den Hundeattacken niemals bedroht gefühlt. Für viele Leute gelten Bulgarien und Rumänien ja als „Schurkenstaaten“, aber wir können diese Vorurteile nicht bestätigen. Wir wurden in der Regel sehr freundlich und ehrlich behandelt.  Einzig bei Zigeunern ist Vorsicht geboten wobei wir nie wirklich kritische Situationen erlebt haben.

Wilde Hunde: hiervon hatten wir schon vor der Reise gehört, konnten uns aber nicht so recht vorstellen, was uns konkret erwartet. Hunde sind uns auch in Ungarn, Kroatien und Serbien schon nachgelaufen. Was also ist anders in Bulgarien und Rumänien?  Hofhunde sind uns auch in Ungarn, Kroatien und Serbien schon nachgelaufen. Was also ist anders in Bulgarien und Rumänien? Streunende Hunde haben sich dort offenbar unkontrolliert vermehrt In den Ortschaften sind sie heute ein fester Bestandteil des Straßenbildes. In Bulgarien hält sich die Anzahl der Hunde in Grenzen und die meisten Hunde haben „einen Knopf im Ohr“. Hier hat man das Problem offenbar einigermaßen im Griff. In Rumänien sind wilde Hunde ein Massenphänomen. Dort durchstreifen sogar wilde Hunderudel die endlosen Weiten. Dort sind wir ihnen zwar nie ins Gehege gekommen.  Das scheint aber nach Berichten anderer Reisender anders zu sein, wenn man wild campt. In den Ortschaften verhalten sich die Hunden gegenüber Passanten respektvoll bis unterwürfig. Wir haben nie erlebt, dass sich die Hunde Passanten attackieren. Man wird allerhöchstens einmal angeknurrt, wenn man ein „Revier“ durchquert. Aber sobald man auf dem Fahrrad steigt, ist man Beute bzw. unliebsamer Eindringling und wird gnadenlos „aus dem Revier“ gejagt.  Das eigentlich Unangenehme ist, dass diese Attacken meist völlig überraschend stattfinden, weil man die Hunde vorher gar nicht gesehen hat.  Man fährt also nie völlig entspannt durch ein Dorf, sondern muss immer auf der Hut sein. Wirklich gefährlich ist es aber nie geworden. In der Regel lassen die Hunde von einem ab, wenn man keine Angst zeigt und sie anbrüllt. Bei „Zweifronten-Angriffen“ (Hunde von beiden Seiten) hat sich Pfefferspray als Distanzwaffe bewährt. Wir mussten aber nur zweimal zu dieser Keule greifen.


Highlights

  

Trotz aller Gefahren und Anstrengungen haben wir diese Tour sehr genossen und können sie hartgesottenen Radfans nur empfehlen. Wer ein bisschen Abenteuer sucht und sich auf touristisch völlig unerschlossene Pfade begeben möchte, liegt hier richtig.

Das Steinerne Tor in Serbien oder das Donaudelta, Städte wie Vidin, Ruse, Tulcea oder Constanza bilden die touristischen Highlights dieser Radreise. Die eigentliche Attraktion für uns sind die abgelegenen Dörfer in den Weiten von Bulgarien und Rumänien, wo die Zeit still zu stehen scheint und die Straßen noch von Pferde- und Eselfuhrwerken dominiert werden. Weit abseits von ausgetretenen touristischen Pfaden bewegt man sich durch eine Welt von gestern. Wer sich einen authentischen Eindruck vom Leben unserer Vorfahren verschaffen möchte, kommt auf dieser Reise voll auf seine Kosten. Auch landschaftlich hat die Strecke einiges zu bieten. Zwar dominieren in Bulgarien und Rumänien landwirtschaftlich intensiv genutzte und damit etwas eintönige Weiten, aber immer wieder durchquert man auch außerordentlich reizvolle Landstriche. Die Strecken entlang der Donau in Serbien mit ihren von Wasservögel dicht bevölkerten Flussauen gehören zum Schönsten, was wir an der Donau gesehen haben.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die kulinarischen Aspekte. Man kann die serbische, bulgarische oder rumänische Küche sicher nicht als haute cuisine bezeichnen. Es dominiert eher gröbere Hausmannskost. Aber die Zutaten, insbesondere das Gemüse und das Obst sind unglaublich geschmacksintensiv. So etwas kennt man bei uns gar nicht. Salate werden z.B. nicht angemacht, sondern lediglich mit Schafskäse bestreut. Hervorragend!


  

Ausstattung


Solide Tourenräder: meine Frau fährt ein vollgefedertes Rad von Riese & Müller (Delite). Ich verwende ein ungefedertes Stahlrad (Fahrradmanufaktur T400). Beide Fahrräder sind mit einer 14-Gang Nabenschaltung von Rohloff ausgestattet. Man sollte unbedingt unkaputtbare Tourenreifen aufziehen. Wir haben uns für den Schwalbe Mondial entschieden und sind damit sehr zufrieden. Wir hatten nie eine Reifenpanne. Unglaublich, wenn man bedenkt, was ich zuhause alles an Dornen und Glasscherben aus dem Mantel gezogen habe.

Wasservorrat: der Flüssigkeitsbedarf ist zumindest im Sommer immens. Jeder von uns hatte zwei Wasserflaschen „an Bord“ und oft noch eine Ersatzflasche in der Packtasche. In den meisten Dörfern gibt es eine Wasserstelle zu Nachfüllen. Die Dörfer sind aber oft weit voneinander entfernt.

Ersatzteile Fahrrad: wir haben uns an die Liste von Peter Danninger gehalten (Mantel, Schläuche, Kettenglieder, Speichen, Tape, Kabelbinder, Draht, Flickzeug, Gabelschlüssel zum Entfernen der Pedale).

Zeltausrüstung: unsere Fallback-Lösung für den Fall, dass keine Unterkunft gefunden werden kann und von daher im Prinzip unverzichtbar. Wir haben unser Zelt zwar nie gebraucht, aber es gibt einem ein gutes Gefühl, es dabei zu haben. Ferner hätten wir angesichts der Qualität der Unterkunft manchmal lieber das Zelt nehmen sollen. Auch an Wasserbehälter (faltbar), rudimentäres Frühstücksgeschirr und Taschenlampe denken. In Rumänien sollte man aus Sicherheitsgründen angeblich nicht wild zelten! Reisende haben uns berichtet, dass die wilden Hunde einem definitiv schlaflose Nächte bereiten.

Kleidung: um Gewicht zu sparen, haben wir Funktionskleidung getragen, die man täglich waschen konnte, weil sie schnell wieder trocknet. Ansonsten kann man zumindest im August von stabilem Sommerwetter ausgehen und kann die Ausstattung auf ein absolutes Minimum reduzieren. Warme Kleidung braucht man eigentlich nur für die Rückreise nach Deutschland.

Gesundheit: um Muskelkrämpfen vorzubeugen, hatten wir ausreichend Magnesiumtabletten dabei. Sonnencreme und Mückenspray dürfen natürlich auch nicht fehlen. Wer ohne Helm fährt, sollte zumindest eine Kopfbedeckung tragen.

Radreiseführer: trotz vieler kritischer Bewertungen haben wir uns den Bikeline-Führer „Donauradweg 5“ (Esterbauer-Verlag, http://www.esterbauer.com/db_detail.php?buecher_code=DRW5) zugelegt und waren damit recht zufrieden. Man darf von diesem Führer nicht zu viel erwarten. Das Kartenmaterial ist gut brauchbar und auch die Routen sind grundsätzlich in Ordnung. Der Routenführung sollte man allerdings nicht blind vertrauen. Besonderes Mißtrauen ist angezeigt, wenn es auf ungeteerte Strassen geht. Hier haben wir einige unschöne Erfahrungen gemacht. Man sollte deshalb immer versuchen, auf asphaltierten Strassen zu fahren. Ferner sind die Angaben zu Steigungen und Gefälle oft falsch oder unvollständig.
Ferner kann man sich auf die Angaben zu den Unterkünften nicht verlassen. Wenn man die Situation vor Ort einmal selbst erlebt hat, kann man das nachvollziehen. Wir haben auf der Tour kaum Radfahrer getroffen, d.h. die Nachfrage nach so einem Führer dürfte sich in engen Grenzen halten, so dass eine ständige Aktualisierung wirtschaftlich nicht darstellbar ist. Wie bereits erwähnt, muss man bei dieser Reise ein gewisses Risiko in Kauf nehmen. Dazu gehört, dass man unter Umständen einmal keine Unterkunft findet.

Karte und GPS: gutes Kartenmaterial sind auf dieser Reise wichtig. Wir hatten nur unseren Bikeline-Führer, hätten uns aber oft eine topographische Übersichtskarte gewünscht. Unverzichtbar war für uns unser GPS-Gerät (Garmin Oregon 600), das wir zu Hause mit den Tracks von Peter Danninger und anderen gefüttert hatten. Eine unglaublich wertvolle Unterstützung, vor allem, wenn man sich einmal fernab der vorgegebenen Tour bewegen muss oder eine Unterkunft in einer Stadt sucht.

Pfefferspray: wie oben beschrieben als Distanzwaffe gegen verwilderte Hunde sehr hilfreich. Selbst wenn man es nicht einsetzen muss, gibt es einem eine gewisse Sicherheit. Wir empfehlen die Jet-Version, mit der man wie bei einer Spritzpistole einen konzentrierten Strahl auf bis zu 4m entfernte Ziele schießen kann. Wir hatten ferner eine Dose mit einem Klemmbügel gekauft, die wir an den Bowdenzügen am Lenker befestigen konnten, sodass das Spray immer griffbereit war.


  

Ausführliche Beschreibung der einzelnen Etappen

Hier finden Sie eine ausführliche Tourbeschreibung.

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